Blick hinter die Kulissen des Bundestages

Bild: Team Miersch

Praktikumsbericht von Julia Friederike Schulze:

Die Zeit nach meiner letzten Abiturprüfung wollte ich nutzen, um Einblicke in die Berliner-Politik zu bekommen. Während einer Veranstaltung, bei der Dr. Matthias Miersch sich für die Gründung des Jugendparlamentes bei uns in der Stadt Ronnenberg einsetzte, konnten wir uns das erste Mal kennenlernen. Auf meine Frage, ob vor der Sommerpause 2018 ein Praktikum im Deutschen Bundestag möglich ist, erhielt ich sofort eine sehr positive Reaktion. Mir wurde die Chance gegeben im Juni 2018 ein vierwöchiges Praktikum im Abgeordnetenbüro in Berlin zu absolvieren.

Das Praktikum begann für mich am Morgen des 4. Juni 2018 am Empfang des Jakob-Kaiser-Hauses mit der Begrüßung durch den Büroleiter Lars Drebold und einer Sicherheitsüberprüfung, die vor der Ausstellung eines Hausausweises erforderlich ist. Damit bin ich berechtigt, mich frei in den Gebäuden des Deutschen Bundestags zu bewegen. Über die unterirdischen Gänge zwischen den Parlamentsgebäuden ist dies schnell möglich. Ich konnte mit dem Ausweis, während der drei Sitzungswochen die Plenarsitzung im Reichstagsgebäude oder beispielsweise auch die verschiedenen öffentlichen Ausschusssitzungen besuchen. So war ich als Zuschauerin z.B. im Umweltausschuss mit Svenja Schulze, in einer Anhörung des Ausschusses Arbeit und Soziales, oder auch im Wirtschaftsausschuss mit Peter Altmaier.

Ich wurde von Dr. Miersch und seinem Team von Beginn an sehr herzlich aufgenommen. Jeden Montag erhielt ich den Wochenplan und konnte mir Veranstaltungen aussuchen, auf die ich Dr. Matthias Miersch begleitete. Besonders spannend waren für mich die Experteninterviews und die Anhörungen. Zu diversen Themen wurden Fachleute herangezogen, um ihre Ansichten zu präsentieren und auch Fragen beantworten.

Auch der wöchentliche Jour-Fixe hat mir gezeigt, wie vielfältig die Aufgaben von Dr. Matthias Miersch, insbesondere als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Sprecher der Parlamentarischen Linken, ist. Termine wurden besprochen, das Wahlkreisbüro berichtete per Konferenzschaltung, Gespräche wurden vorbereitet und Aufgaben verteilt. Während solcher Termine wurde mir noch einmal vor Augen geführt, wie die Arbeit in Berlin und die lokale Arbeit im Wahlkreis zusammengehören und vernetzt sind.

Während der sitzungsfreien Woche war mein Bundestagsalltag stärker von Büroarbeit geprägt. Ich konnte viele verschiedene Aufgaben übernehmen. Bei Berichten habe ich dem Team zugearbeitet, das mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand, und beispielsweise auch diverse Rechercheaufgaben erledigt. Besondere Schwerpunkte waren die Themen von Dr. Miersch als stellvertretener Fraktionsvorsitzender der SPD für die Bereiche Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Tourismus. So habe ich oft die parteiinterne Arbeitsgruppe Landwirtschaft besucht.

Neben den vielfältigen Aufgaben im Abgeordnetenbüro waren für mich auch die Veranstaltungen des Praktikantenprogramms der SPD-Bundestagsfraktion besonders interessant. Wir als Praktikanten konnten zahlreiche Vorträge verschiedener Politiker oder anderer Experten hören und offen mit ihnen diskutieren. Auch ein Besuch im Bundeskanzleramt wurde uns ermöglicht.

Das Praktikantenprogramm war, neben den inhaltlichen Aspekten, auch eine sehr gute Möglichkeit, mit vielen anderen Praktikanten in Kontakt zu kommen. Wir waren alle in einer ähnlichen Situation, ob bereits in der letzten Woche oder in der ersten. Das Bundestagsleben konnten wir gemeinsam erkunden und wir waren froh uns über Erfahrungen auszutauschen. Häufig haben wir uns zum Mittagessen verabredet, nach der Arbeit Berlin entdeckt oder das spannende Nachtleben kennengelernt.

Durch den Praktikantenstammtisch donnerstags gab es selbstverständlich auch einige gemeinsame Unternehmungen mit Praktikanten anderer Fraktionen. Nachdem wir beispielsweise als Zuschauer im Studio von Maybrit Illner eine spannende Debatte erleben konnten, haben wir uns dazu entschieden, nachts auf das Dach des Reichstages zu gehen und Berlin bei Nacht zu genießen.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Zeit mit anderen politisch interessierten und aktiven jungen Menschen zu verbringen und ich glaube, dass sich einige Freundschaften entwickelt haben.

Der 19. Deutsche Bundestag war von Beginn an besonders. Es ist eine neue Partei eingezogen und die Regierungsbildung dauerte, wegen der sich hinziehenden Vorgespräche für die Jamaika-Koalition, so lange wie noch nie zuvor. Dann hat die Union, innerhalb von nicht einmal 100 Tagen, während meiner Zeit als Praktikantin eine erste große Krise. Es war also wirklich eine sehr spannende Phase, die ich in Berlin miterleben konnte. Leider gingen meine vier Wochen viel zu schnell vorbei. Ich bin froh, dass ich mich beworben habe und mir die einmalige Chance gegeben wurde, im Deutschen Bundestag die parlamentarischen Verfahren persönlich so nahe erleben zu dürfen. Ich kann jedem politisch interessierten und engagierten jungen Menschen, dem sich eine solche Möglichkeit bietet, nur empfehlen diese wahrzunehmen.

Dr. Matthias Miersch, der mir dieses Praktikum und die besonderen Einblicke in seine Arbeit ermöglichte und sich trotz seines engen Terminkalenders Zeit für mich genommen hat danke ich. Auch bei den Mitarbeitern, die mich, wie Herr Dr. Miersch, sehr herzlich aufgenommen und gefördert haben, bedanke ich mich sehr herzlich. Ein wenig Wehmut war mit dem Abschied verbunden. Hoffentlich war es nicht mein letztes Mal in Berlin.